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Diagnose und Therapien

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Diagnose

Bei Krankheiten, deren Kategorien weniger scharf definiert, umstritten oder komplex sind, ist das Risiko einer Fehldiagnose und damit einer Fehlbehandlung größer. Dieses Problem betrifft vor allem die Psychiatrie. Insbesondere die Persönlichkeitsstörungen sind hier problematische Kategorien. Zur Stellung der ADHS/ADS-Diagnose bedarf eines einer genauen Untersuchung des Patienten u.a. durch umfangreiche Testungen. Andere Störungen oder Möglichkeiten müssen weitgehend ausgeschlossen werden (Autismus, Asperger Syndrom, Hochbegabung, Depression etc.). Außerdem umschließt die Diagnose auch oft Teilleistungsstörungen des Kindes, die ein spezialisierter Kinderarzt bzw. Kinderpsychiater durch die richtigen Tests erkennen kann. Ein nicht unwesentlicher Teil der Untersuchung sind auch umfangreiche Fragebögen, die Eltern, Lehrer, Erzieher etc. des Kindes beantworten sollten.

Das Einsetzen von Therapien (s.u.) wird vom Arzt entschieden. Den größtmöglichen Erfolg scheint derzeit eine Kombination von Medikamentengabe, Psychotherapie/Verhaltenstherapie, Ergotherapie (soziales Kompetenztraining) und Elterntraining zu versprechen. Auch Erziehungshilfen (ggfs. Coaching der Eltern) z.B. durch Heilpädagogen sind sehr vielversprechend. Mögliche Therapien zu Teilleistungsstörungen kommen u.U. noch hinzu. Eine Medikamentengabe ohne begleitende therapeutische Maßnahmen wird als nicht effektiv angesehen, da die Medikamente mit dem Wirkstoff Methylphenidat die ADHS letztendlich nicht heilen. Man sollte beim Einsetzen der Therapien jedoch beachten das Kind nicht zu überfordern und ggfs. zu viele Therapien gleichzeitig einsetzen. Hier ist Einfühlungsvermögen und die Beobachtungsgabe der Eltern gefordert.

(Quelle: teilweise Wikipedia)


Medikamente mit dem Wirkstoff Methylphenidat

Methylphenidat ist ein Arzneistoff mit stimulierender Wirkung. Er gehört zu den Amphetamin-ähnlichen Substanzen, die derzeit hauptsächlich bei der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) eingesetzt werden. Daneben findet Methylphenidat Anwendung bei der Narkolepsie und zur Steigerung der Wirksamkeit von Antidepressiva bei therapieresistenten Depressionen. Methylphenidat ist in der Anlage 3 des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG) aufgelistet und unterliegt einer gesonderten Verschreibungspflicht. Methylphenidat hemmt die Wiederaufnahme von Dopamin und Noradrenalin in den Präsynapsen und erhöht so deren Konzentration im synaptischen Spalt. durch Wiederaufnahmehemmung erreicht.

 

Hypothesen zur Wirkung bei ADHS

Für die Wirkung von Methylphenidat gibt es unterschiedliche Erklärungsansätze. Eine Hypothese besagt, dass bei ADHS bestimmte Bereiche im frontalen Gehirn, die u. a. Impulse kontrollieren, weniger aktiv seien und durch Stimulanzien angeregt würden, wodurch das Gehirn seine Kontrollfunktionen besser wahrnehmen könne.

Laut einer weiteren Hypothese weisen Menschen mit ADHS eine erhöhte Anzahl und Aktivität von sogenannten Dopamin-Transportern auf. Dieses Rücktransportsystem der Nervenzellen sauge das von diesen Nervenzellen in den synaptischen Spalt freigesetzte Dopamin wie eine Art „Staubsauger“ wieder auf. Methylphenidat blockiere dieses Rücktransport-System vorübergehend, das heißt in aller Regel für drei bis fünf Stunden. Dadurch werde ein Zustand erzielt, der die Verfügbarkeit des Dopamins verbessert.

Ein anderer Erklärungsansatz (Plastizitäts-Hypothese) vermutet, dass in den besagten Hirnarealen zu wenig Rezeptoren für Dopamin existierten. Dieser Mangel an Rezeptoren führe dazu, dass hemmende Neuronen nicht ausreichend aktiviert würden. Durch die Gabe von Methylphenidat würden die Rezeptoren vermehrt mit Dopamin versorgt, so dass die Erregungsweiterleitung besser funktioniere. Auf Dauer könne sich jedoch das Rezeptorsystem verändern und immer unempfindlicher gegen den Botenstoff werden.

Während die genannten Ansätze die Dopamin-Mangel-Hypothese als Grundlage haben, dreht Hüther diese um. Diese Hypothese ist in der Schulmedizin jedoch umstritten. Hüther geht davon aus, dass das dopaminerge System bei ADHS-Patienten sogar besonders stark ausgebildet ist. Nach seiner Theorie kommt es durch Methylphenidat bei einer geringen Dosierung, die langsam anflutet, zunächst zu einer Hemmung der Dopaminwiederaufnahme. Durch den daraus resultierenden Anstieg der Dopaminkonzentration im synaptischen Spalt werden Dopamin-Autorezeptoren an den dopaminergen Präsynapsen aktiviert. Dies führt dazu, dass jede weitere impulsgetriggerte Dopaminfreisetzung durch diese Präsynapse blockiert wird. Demnach wird durch eine orale Aufnahme von Methylphenidat oder anderen Psychostimulanzien in geringer Dosierung das dopaminerge System „abgeschaltet“.

 

Dosierung

Methylphenidat ist angezeigt zur Behandlung des ADHS bei Kindern ab 6 Jahren, wenn sich andere therapeutische Maßnahmen allein als unzureichend erwiesen haben. Die Dosierung erfolgt individuell nach einer sorgfältigen Diagnosestellung, da die optimale Wirkung bei unterschiedlichen Dosen erreicht wird. Die individuell optimale Wirkung lässt sich weder auf das Körpergewicht noch auf die Plasmakonzentration zurückführen.

Arzneilich verwendet wird das Methylphenidat-Hydrochlorid. Für die Therapie stehen Tabletten oder Kapseln in verschiedenen Stärken und mit entweder rascher, verlangsamter (retardierter) oder kombinierter (anfangs rasch, danach verlangsamt) Wirkkstofffreisetzung zur Verfügung. Entsprechend resultiert eine unterschiedliche Wirkdauer, die von ein bis vier Stunden (nicht retardierte Formen) bis zu zwölf Stunden (retardierte Formen) reichen kann. Nach Ende der Wirkungsdauer können sich die Symptome von ADHS verstärkt zeigen (ein sogenannter Rebound).

Die medikamentöse Therapie wird mit einer niedrigen Einzeldosis (z. B. 2,5 oder 5 mg bei Kindern) begonnen und wöchentlich um 5−10 mg gesteigert (sog. Titrationsmethode), bis die optimale Dosis erreicht ist, die im Mittel bei 10−20 mg liegt. In vielen Fällen ist nach einigen Monaten eine neue Einstellung mit eventuell nochmals erhöhter Dosis erforderlich. Die Höchstdosis liegt bei 1 mg/kg Körpergewicht bis zu maximal 60 mg pro Tag. Zu Beginn der Therapie wird Methylphenidat in einer rasch freisetzenden, kurzwirksamen Form verabreicht, weil es so besser zu steuern ist. Später kann dann auf ein Retard-Präparat umgestellt werden. Eine grundsätzliche Aussage über die richtige Dosis zu treffen ist nicht möglich: in manchen Fällen genügt bereits eine Tagesdosis von 5–10 mg, während in anderen Fällen bis zu 60 mg erforderlich sind. Gewöhnlich wird die Tagesdosis auf zwei bis drei Einzeldosen einer kurzwirksamen Arzneiform oder eine bis zwei Dosen einer retardierten Form verteilt. Zur Behandlung von ADHS im Erwachsenenalter wird anfangs gewöhnlich eine Einzeldosis von 10 mg gegeben. Eine Steigerung auf höhere Dosierungen als auf die maximale Dosis von 60 mg/Tag, die für Kinder gilt, sind keine Seltenheit. Eine Tagesdosis von bis zu 120 mg/Tag für Personen über 70 kg Körpergewicht ist eine anerkannte therapeutische Option.

(Quelle: Wikipedia)

 

Kinderpsychotherapie

In der multimodalen Kinderpsychotherapie werden die Kinder aktiv dabei unterstützt, Probleme in der Familie, Schule und im Umgang mit Gleichaltrigen erfolgreich zu bewältigen. Als Beispiele multimodaler Therapieprogramme können das Training mit aggressiven Kindern, das Training mit sozial unsicheren Kindern, sowie das Therapieprogramm für Kinder mit hyperkinetischem und oppositionellem Problemverhalten (ADHS) genannt werden. Leider stehen oft nicht ausreichend Therapieplätze zur Verfügung bzw. der Patient wird auf eine Warteliste gesetzt.

(Quelle: teilweise Wikipedia)

 

Klinische Kinderneuropsychologie

Bei der Klinischen Kinderneuropsychologie handelt es sich um ein relativ neues Anwendungsgebiet der Klinischen Kinderpsychologie, das sich mit den Auswirkungen von Hirnschädigungen auf die kognitive, psychische und soziale Entwicklung beschäftigt. Hirnfunktionsstörungen können prä-, peri- oder postnatal verursacht sein und beziehen sich zum Beispiel auf Störungen der Aufmerksamkeit, Merkfähigkeit, des Erinnerungsvermögens und der Sprachfähigkeit. Aber auch umschriebene Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten sowie emotionale und Verhaltensauffälligkeiten können eine direkte oder indirekte Folge von Hirnfunktionsstörungen oder -schädigungen sein.

Die Klinische Kinderneuropsychologie verfolgt drei Ziele:

  1. Erfassung von neuropsychologischen Folgen von Hirnschädigungen im Kindesalter,

  2. Therapie der auftretenden Beeinträchtigungen und Störungen (z.B. mit Hilfe von Gedächtnistrainings) und

  3. Re(Integration) der betroffenen Kinder in einen altersgerechten Alltag (= neuropsychologische Kinderrehabilitation).

Besonders umschriebene Entwicklungsstörungen wie die Lese-Rechtschreibstörung (Legasthenie) und die Rechenstörung (Dyskalkulie) sowie die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) konnten durch die Kinderneuropsychologie neu bewertet und neue Ansätze zur Diagnostik und Intervention abgeleitet werden.

(Quelle: Wikipedia)

 

Elternkurse

Ein Elternkurs ist ein Bildungsangebot für Eltern mit dem Ziel einer Stärkung der Erziehungskompetenz. Elternkurse haben unterschiedliche Ansätze und wissenschaftliche Hintergründe. Die Zielgruppe variiert zwischen Eltern von Kleinkindern und Eltern von Jugendlichen und Eltern mit oder ohne spezifische Probleme.

Es werden auch spezielle Kurse für ADHS-Problematik (u.a. über fachpsychiatrische Kinderpraxen, Uni-Kliniken, andere Einrichtungen wie z.B. Kinderschutzbund etc.) angeboten.

 

Einige beispielhafte Kurse zu unterschiedlichen Bereichen seien hier genannt:

         

  • Systematic Training for Effective Parenting (STEP)
  • Starke Eltern – Starke Kinder
  • kess-erziehen
  • EFFEKT – Entwicklungsförderung Familien
  • THOP – Fritz Jansen

 

(Quelle: teilweise Wikipedia)

 

Ergotherapie

Ziel der Ergotherapie ist es, Menschen dabei zu helfen, ihren Alltag in Beruf, Schule, Kindergarten, Familie und im Freizeitbereich besser bewältigen zu können. Bei der ergotherapeutischen Betrachtungsweise stehen nicht die oberflächlichen Einschränkungen und Krankheitszeichen im Vordergrund, sondern die zugrundeliegenden Ursachen. Da bei einigen Krankheitsbildern keine Ursachen bekannt sind, werden auch Symptome behandelt. Durch gezielte Verbesserung mit anerkannt erfolgreichen Methoden, soll dem Menschen (wieder) dazu verholfen werden, den Anforderungen in seinem Leben zu seiner Zufriedenheit gerecht zu werden.

Die Behandlung von Kindern (Pädiatrie) ist ein wesentliches Teilgebiet der Ergotherapie (prozentuale Menge aller Verschreibungen ergotherapeutischer Behandlungen) und entlehnt sich damit grundlegendes Wissen aus der Entwicklungspsychologie (vgl. Affolter, Ayres, Frostig usw.). Entsprechend überschneidet sich die Ergotherapie in mehreren Bereichen und in zunehmendem Maße mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie und der Kinderpsychologie bzw. der kinderpsychologischen Behandlung. In Bezug auf ADHS-Problematik wird oft mit den Kindern ein soziales Kompetenztraining, gerne auch in Interaktion mit mehreren Kindern, durchgeführt.

Ergotherapie kann daher (im Rahmen interdisziplinärer Zusammenarbeit) bei allen Kindern und Jugendlichen indiziert sein, deren Entwicklung zu selbstständigen, handlungsfähigen Erwachsenen eingeschränkt bzw. behindert ist, z. B. durch:

  • Psychische Erkrankungen nur in Zusammenarbeit mit Kinder- und Jugendpsychiatern oder -psychologen, z. B. Verhaltensstörungen wie ADHS, frühkindlicher Autismus, Essstörungen

  • Störungen des Bewegungsablaufs infolge hirnorganischer Schädigungen (spastische Lähmungen, Anfallsleiden, Hydrocephalus, Spina bifida, Muskeldystrophien etc.) (Überschneidung mit der Physiotherapie)

  • Störungen der sensomotorischen Entwicklung und der damit verbundenen Beeinträchtigung der kognitiven Prozesse

  • Störungen der Wahrnehmungsfähigkeit und -verarbeitung (sensorischen Integrationsstörungen)

  • Ausfallerscheinungen bzw. Verzögerungen in der Sozialentwicklung, der Beziehungsbildung und Kommunikationsfähigkeit

  • Sinnesbehinderungen, z. B. Taubheit, Blindheit

 

(Quelle: Wikipedia)